Rechnungsgrundlagen
Überblick und zentrale Bausteine
Rechnungsgrundlagen bilden die zentrale Basis für alle versicherungsmathematischen Berechnungen in der Personenversicherung. Sie umfassen die Gesamtheit der Annahmen und Parameter, die zur Kalkulation von Prämien sowie zur Bestimmung von Deckungsrückstellungen verwendet werden. Damit stellen sie sicher, dass Versicherungsverpflichtungen langfristig erfüllbar bleiben und Risiken angemessen berücksichtigt werden.
Die Rolle der Aktuar:innen
Aktuar:innen spielen eine zentrale Rolle bei der Festlegung und Anwendung von Rechnungsgrundlagen.
Sie stellen sicher, dass die zugrunde liegenden Annahmen die relevanten Risiken realistisch und konsistent abbilden und sowohl fachlich fundiert als auch regulatorisch konform sind.
Zu ihren zentralen Aufgaben zählen:
Herleitung und Auswahl der Annahmen
Aktuar:innen entwickeln Rechnungsgrundlagen wie Sterbe- oder Invalidentafeln und legen Parameter wie den Rechnungszins fest. Dabei berücksichtigen sie sowohl historische Daten als auch zukünftige Trends (z. B. steigende Lebenserwartung), ebenso wie aufsichtsrechtliche Anforderungen.
Laufende Überprüfung und Anpassung
Da sich Rahmenbedingungen und Risiken verändern, werden die verwendeten Grundlagen regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.
Sicherstellung von Qualität und Nachvollziehbarkeit
Aktuar:innen prüfen die Plausibilität der Ergebnisse, dokumentieren ihre Methoden und sorgen für Transparenz sowie Konsistenz.
Themenbereiche
Biometrische Annahmen
z. B. Ausscheidewahrscheinlichkeiten wie Sterblichkeit oder Invalidität dargestellt in Sterbe- oder Invalidentafeln
Finanzielle Parameter
Insbesondere der Rechnungszins, der zur Bewertung zukünftiger Zahlungen dient.
Kostenannahmen
Zuschläge für Abschluss- und Verwaltungskosten
Verhaltensannahmen
z. B. Stornoverhalten von Versicherungsnehmern
Je nach Zielsetzung und Sicherheitsniveau unterscheidet man zwischen Rechnungsgrundlagen 1. Ordnung und 2. Ordnung:
Rechnungsgrundlagen 1. Ordnung (vorsichtige Annahmen)
Rechnungsgrundlagen 1. Ordnung enthalten bewusst Sicherheitsmargen (Risikozuschläge oder -abschläge). Sie werden vor allem für die Prämienkalkulation und die Deckungsrückstellungen verwendet.
Rechnungsgrundlagen 2. Ordnung (realistische Annahmen)
Rechnungsgrundlagen 2. Ordnung basieren auf bestmöglichen Schätzwerten ohne Sicherheitszuschläge. Sie spiegeln somit die erwarteten tatsächlichen Verhältnisse wider.
Regulatorische Grundlagen
AVÖ 2018-P Rechnungsgrundlagen für die Pensionsversicherung
Für die Bewertung von Sozialkapital und für Pensionskassen.
Diese Pensionstafeln stellen die neuesten Rechnungsgrundlagen zur Bewertung von Sozialkapital und für Pensionskassen in Österreich dar. Sie wurden im August 2018 veröffentlicht und aus Daten der Sozialversicherungen sowie aus Daten der Statistik Austria und der Pensionskassen hergeleitet.
Die Tafeln liegen geschlechterspezifisch für Angestellte und den Mischbestand jeweils in zwei Varianten vor, die sich in der Definition der Invalidität unterscheiden, je nachdem, ob der Bezug von Rehabilitationsgeld als Invalidität gewertet wird.
Rechnungsgrundlagen über ÖFdV erhältlich:
Rententafel AVÖ 2005-R unisex
Für die Bewertung von Rentenverpflichtungen in Österreich.
Die Rententafel AVÖ 2005-R unisex ist eine zentrale versicherungsmathematische Grundlage für die Bewertung und Kalkulation privater Rentenversicherungen in Österreich. Sie basiert auf geschlechtsneutralen Annahmen zur Lebenserwartung und dient der Berechnung von Barwerten sowie Rentenfaktoren. Ihre Angemessenheit wurde zuletzt 2019 bestätigt.
- Rententafel AVÖ 2005R Unisex
- Konstruktion der Tafel
- Beschreibung
Leitfäden und Empfehlungen der AVÖ
Eine Modifizierung der Sterbetafel 2000/2002 im jungen Altersbereich wird empfohlen, um unerwünschte Effekte bei Prämien und Deckungsrückstellungen zu vermeiden.
Zur Angemessenheit der Rententafel AVÖ 2005-R
Im Jahr 2019 wurde die Rententafel AVÖ 2005-R im Rahmen einer regelmäßigen Überprüfung sorgfältig auf ihre Angemessenheit hin untersucht. Dabei bestätigte sich ihre weiterhin sachgerechte und verlässliche Anwendung in der Praxis.
EMPFEHLUNG AVÖ MODIFIKATION DER VOLKSSTERBETAFEL 2000_02
Eine Modifizierung der Sterbetafel 2000/2002 im jungen Altersbereich wird empfohlen, um unerwünschte Effekte bei Prämien und Deckungsrückstellungen zu vermeiden.