Symposium – 10 Jahre Versicherungsmathematische Funktion (VMF): Von der Pflicht zur Kür

Zum zehnjährigen Bestehen der unter Solvency II verpflichtend verankerten Versicherungsmathematischen Funktion (VMF) veranstaltete die ÖFdV am 26. Mai das „Symposium: 10 Jahre Versicherungsmathematische Funktion (VMF)“ bei KPMG.

Nach der Eröffnung und Begrüßung durch Gregor Pilgram (Vorsitzender des Versicherungsverbandes Österreich VVO / Vorstandsvorsitzender bei der Generali Versicherung AG) ordneten Hans Kronthaler und Rainer Kaufmann (beide KPMG Österreich), begleitet von interaktiven Umfragen, die die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmer:innen sichtbar machten, die Entwicklung der VMF ein: Entstehung und regulatorische Grundlagen, die Trennlinie zum Verantwortlichen Aktuar, das Zusammenspiel mit Risikomanagement und Governance – sowie die gewachsene Rolle in Abschluss- und Produktprozessen. Quintessenz: Zwischen Aufsicht, Vorstand und Risiko ist die VMF als unabhängige Qualitätssicherung etabliert – jetzt muss sie die Steuerungsrelevanz weiter entfalten.

Im Anschluss stellte Werner Eglseer (Generali Versicherung AG) die aufsichtsrechtlichen Vorgaben an die VMF noch einmal im Detail dar und veranschaulichte, wie Solvency-II-Prozesse (mit VMF Fokus) heute effizient ablaufen – inklusive Aufbau, Einsatz und Governance aktuarieller Modelle und der unabhängigen Validierung der Solvency II Ergebnisse durch die VMF.

Den Blick nach vorne adressierte Ulrike Ebner (Wiener Städtische Versicherung AG): Nutzung aktuarieller Modelle über Compliance hinaus – von IFRS-17-Kennzahlen über Prognose- und Planungsrechnungen bis zu ALM, Szenario-/Risikoanalysen, wertorientierter Steuerung und Profitabilitätssteuerung. Entscheidend sind saubere Schnittstellen zu Vorstand, Risikomanagement und Finance, konsistente KPIs und eine (Modell-)Governance/Automatisierung, die Geschwindigkeit ermöglicht.

Anschließend skizzierte Andreas Hell (FMA) den Wandel der VMF im letzten Jahrzehnt aus der Aufsichtsperspektive: weg von der reinen Erfüllung der Mindestvorgaben an die VMF, hin zu integrierter, proportionaler Governance: mit wachsender Komplexität der Modelle steigen die Erwartungen an die Transparenz der Annahmen, auf denen das Modell basiert, sowie an eine integrierte, proportionale und belastbare Modell-Governance.

In der abschließenden Fachdiskussion unter Moderation von Werner Matula (Vienna Insurance Group) betonten Liane Hirner (CFRO Vienna Insurance Group), Kurt Svoboda (CFRO Uniqa Insurance Group AG) und Robert Wasner (Mitglied des Vorstands der Oberösterreichischen Versicherung): Die VMF verfügt über umfassendes Wissen und gibt dem Management zusätzliche Sicherheit. Strategische Relevanz entfaltet sie – und wird zum gefragten Sparring-Partner des Managements –, wenn sie

· Risiken frühzeitig erkennt, klar adressiert und priorisiert,

· den Überblick über Daten, Annahmen und Modelle zu einem stimmigen Gesamtbild verdichtet und

· komplexe Sachverhalte in prägnante Management-Sprache übersetzt und handlungsfähige Optionen ableitet.

Fazit

Die erste Dekade hat die VMF erfolgreich absolviert und genutzt. Sie ist in der Unternehmens-Governance in der zweiten Linie mittlerweile fest verankert.

Die nächste Dekade entscheidet über ihre Kür: Wirksamkeit messen statt Aufwand zählen, Proportionalität konkret leben, Datenlinien schließen und Governance als Enabler verstehen. Wo die VMF klare Meinungen, nachvollziehbare und belastbare KPIs und verständliche Entscheidungsoptionen liefert, wird sie zum Hebel für wertorientierte Steuerung und aus Pflicht echte Kür – unabhängig, geschäftsnah und wirksam.

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