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Promoting Financial Inclusion – zweiter Kongress der Actuaires du Monde in Dakar, Senegal, für 2023 geplant

Über die aktuarielle Entwicklungshilfeorganisation Actuaires du Monde (AdM) haben wir bereits im Newsletter Mai 2022 berichtet. Aktivitäten der Organisation sind Mentor- und Ausbildungsprogramme, sowie soziale Projekte, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern. Daneben werden Kongresse zu Schwerpunktthemen ausgerichtet, so im März 2022 im nordmazedonischen Skopje u.a. über Herausforderungen bei der Liberalisierung des Motormarktes.

Für Anfang Mai 2023 ist nun ein zweiter Kongress in Dakar, Senegal, geplant, der unter dem Thema „Promoting Financial Inclusion“ steht. Eine Erhöhung der finanziellen Teilhabe, vor allem von benachteiligten Bevölkerungsgruppen, kann die Lebenssituation vieler Menschen verbessern, und ist eine der Kernaktivitäten von AdM. Deshalb soll diesem Thema der nächste Kongress gewidmet werden, mit möglichen Themen wie Microinsurance, Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung, Rolle von Aktuaren bei der finanziellen Inklusion und technologische und regulatorische Herausforderungen.

Die Veranstaltung findet in englischer und französischer Sprache mit Simultanübersetzung statt. Interessierte können Vorschläge für Redebeiträge bis Ende 2022 einreichen, weitere Informationen über Actuaires du Monde sowie zur Teilnahme am Kongress findet Ihr hier. Übrigens: AdM sucht weiterhin Aktuare im Ehrenamt zur Projektunterstützung und als Mentoren.

2022 European Researchers‘ Night

Am Freitag, dem 30.September 2022, fand die Europäische Forschernacht #EuropeanResearchersNight vor Ort an der Universität für angewandte Kunst in Wien und online statt.

Die Veranstaltung findet einmal im Jahr in verschiedenen Städten in ganz Europa statt, um Informationen über aktuelle Forschungsprojekte zu geben und Einblicke in den Alltag der Forscher zu ermöglichen.
Die AVÖ hat mit Victoria Zach und Felix Radlinger und Unterstützung der Forschungsgruppe für Finanz- und Versicherungsmathematik (FAM) der TU Wien zwei Anwendungen zu den Themen Wahrscheinlichkeitstheorie und Berechnung der Lebenserwartung vorgestellt und mit Hilfe von Simulationen und Modellen Kinder zum Mitmachen und Mitdenken angeregt.

Ziel war es, vor allem Schülerinnen und Schüler auf die Vielzahl der Anwendungen der Mathematik im Alltag aufmerksam zu machen und einen Einblick in die Finanz- und Versicherungsmathematik zu geben.

Das Fazit unserer Aktuar: innen vor Ort: „Es war eine sehr gute Gelegenheit jungen Menschen die Mathematik bzw. die Aufgaben eines:einer Aktuar:in näher zu bringen. Überraschend war die überdurchschnittliche Nennung der Mathematik als Lieblingsfach in der Schule – es war also definitiv das richtige Publikum.“

Die AVÖ bei der Mathematik-Olympiade

Im Rahmen der 53. Mathematik-Olympiade hat die AVÖ den teilnehmenden Schüler:innen die Tätigkeiten von Aktuar:innen nähergebracht.

Bei der Siegerehrung des Junior-Regionalwettbewerbs für Bgld/NÖ/W im BRG Schopenhauerstraße wurden die Schüler:innen auch zur interaktiven Teilnahme angeregt und befragt wo aus Ihrer Sicht Mathematiker:innen zum Einsatz kommen. Die Resonanz war ausgesprochen positiv und die große Anzahl an Rückmeldungen war auf alle Fälle überraschend. Valerie Eberhartinger und Felix Radlinger haben die Vielfältigkeit des Aktuarberufs herausgestrichen, um das ohnehin bereits Mathematik-affine Publikum für ein Studium der Finanz- und Versicherungsmathematik zu begeistern.

 

Damit die AVÖ nicht nur durch den Vortrag einen bleibenden Eindruck hinterlässt, wurden die T-Shirts der Teilnehmer:innen mit dem AVÖ-Logo verschönert.

Überarbeitete Leitlinien zur Bewertung von versicherungstechnischen Rückstellungen

Im Zuge der Überprüfung von Solvency II im Jahr 2020 stellte EIOPA mehrere unterschiedliche Praktiken in Bezug bei der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen fest. Um eine konsistente Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen zu gewährleisten, hat EIOPA überarbeitete Leitlinien herausgegeben, die mit 1.1.2023 Gültigkeit haben werden.
Die neuen Leitlinien behandeln die Governance und Dokumentation bei der Festlegung von Annahmen für die Bewertung der technischen Rückstellungen sowie bei der Anwendung von Expertenbeurteilung und deren Validierung. Zudem sollen wesentliche Annahmen auf einer Ebene mit hinreichend hoher Verantwortung genehmigt werden, das betrifft Annahmen, die wesentlichen Einfluss auf die versicherungstechnischen Rückstellungen haben sowie beispielsweise in der Lebens- und Krankenversicherung die Managementregeln.
Weitere Konkretisierungen machen die Leitlinien bei der Berücksichtigung der Aufwendungen für die Kapitalanlageverwaltung und der Entwicklung der Kosten und halten fest, dass Inflationserwartungen bei der Kostenentwicklung berücksichtigt werden. Zudem sagen die Leitlinien, dass nur aufgrund des Fehlens von Daten über das dynamische Versicherungsnehmerverhalten es unzulässig ist, dieses nicht zu berücksichtigen.
Die Leitlinien legen auch fest, dass bei der Festlegung der Managementregeln die Auswirkungen von zukünftigen Neugeschäft – insbesondere auf die Kapitalveranlagung und die Gewinnbeteiligung – berücksichtigt werden müssen.
Zudem geben die Guidelines konkrete Vorgaben über die Bewertung des EPIFPs (Expected Profits in Future Premiums) und erfordern, dass Verträge so behandelt werden als seien sie weiterhin gültig statt als rückgekauft betrachtet zu werden und es sollen keine Rückkaufabschläge berücksichtigt werden. Weiterhin sollen alle Annahmen nicht angepasst werden um zu berücksichtigen, dass künftige Prämien nicht erhalten werden.
Einige dieser Leitlinien stellen Themenbereiche klar, die auch heute von den versicherungsmathematischen Funktionen bereits entsprechend behandelt werden, bei anderen Leitlinien, wie z.b. beim EPIFP gibt es vermutlich etwas Anpassungsbedarf bei den aktuellen Bewertungen.

Die überarbeiteten Leitlinien sind auf der EIOPA Homepage zu finden: https://www.eiopa.europa.eu/document-library/guidelines/revised-guidelines-valuation-of-technical-provisions

Der Leitfaden Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung wird demnächst veröffentlicht

Die Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung stellt einen wesentlichen Teil des österreichischen Versicherungsmarktes dar. Während für andere Sparten oftmals zahlreiche aktuarielle Schriften und Lehrbücher vorliegen – beispielsweise wird man in der Lebensversicherung kaum am „Gerber“ vorbeigekommen sein – stehen Aktuar:innen in der Krankenversicherung deutlich weniger Unterlagen zur Verfügung. Die Werke von Bohn und Becker mögen manche gelesen haben, jedoch haben in Österreich die meisten das 1×1 der Krankenversicherungsmathematik wohl von Karl Metzger und seinem Skriptum gelernt. Gleichzeitig ermöglichen weder das Verständnis der Lebensversicherungsmathematik noch der deutschen privaten Krankenversicherung ein vollständiges aktuarielles Bild der österreichischen lebenslangen privaten Krankenversicherung. Auch das Gesetz, v.a. das VersVG und das VAG, bietet zwar wesentliche Anhaltspunkte, lässt aber gleichzeitig viele Fragen der Praxis unbeantwortet, die für Aktuar:innen von größter Bedeutung sind.

Es bestand daher Bedarf, anerkannte Methoden, welche insbesondere die Tarifierung am österreichischen Markt behandeln und über das 1×1 hinaus gehen, in einem Best Practice Dokument festzuhalten und Fragestellungen zu behandeln, die bisher in keinem Lehrbuch beantwortet wurden. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2020 innerhalb der AVÖ der Unterarbeitskreis „Krankenversicherung“ gegründet, in dem sich zwei Jahre lang insgesamt 14 fachkundige Aktuar:innen regelmäßig ausgetauscht haben. Wir haben Sichtweisen diskutiert, Lesarten kritisch hinterfragt, und Methoden erarbeitet, bis wir im April 2022 dem Vorstand der AVÖ einen Entwurf des Leitfadens vorlegen konnten. Dieser war von Mai bis August in Begutachtung, im Rahmen derer alle Mitglieder der AVÖ Feedback rückmelden konnten. Nach einem Feinschliff ist der Leitfaden nun fertiggestellt und wird demnächst auf der Homepage der AVÖ veröffentlicht.

Wesentliche Themenbereiche des Leitfadens sind Tarifkalkulation und Tarifanpassung bzw. Konvertierungen, wobei wir uns auf die UGB/VAG Sichtweise konzentriert haben. Die Best Estimate Bewertung war bewusst nicht im Fokus und könnte bei etwaigen Ergänzungen bzw. Erweiterungen des Dokuments behandelt werden. Bezüglich der Tarifkalkulation werden Methoden zur Herleitung von Rechnungsgrundlagen und die Prämienberechnung in ihren Grundzügen beschrieben. Ebenso wird auf die Bedeutung und Herleitung von statistisch aussagekräftigen Daten eingegangen. Fachbegriffe wie Kopfschaden bzw. Kopfschadenreihe und Profile werden nicht nur in mathematischer Notation dargestellt, sondern auch verständlich erklärt. Auf Basis der Prämienberechnung wird die Bildung der Alterungsrückstellung erläutert.

Im Abschnitt der Prämien- und Leistungsanpassung wurden insbesondere die Bestimmungen des VersVG zur vertraglichen Vereinbarung von Anpassungsklauseln aus aktuarieller Sicht behandelt. Hier lässt der Gesetzestext viele Fragen der Anwendung offen, die im Unterarbeitskreis behandelt und wo möglich aktuariell beantwortet wurden. Zusätzlich wurden auserwählte Gesetzestexte aktuariell interpretiert bzw. aktuarielle Auslegungen beschrieben. Ebenso wird auf die Behandlung von Vertragskonvertierungen eingegangen.

Die intensive Arbeit an diesem Leitfaden war zu jeder Zeit spannend und hat uns sehr verbunden! Wir konnten Sichtweisen austauschen, viel voneinander lernen, und schließlich die besten Methoden und Lösungen im Dokument festhalten. Wir möchten uns bei allen Teilnehmenden des Unterarbeitskreises herzlich für die Mitarbeit und das Engagement bedanken und hoffen, dass dieser Leitfaden nicht nur eine gute Grundlage für in der österreichischen privaten Krankenversicherung tätige Aktuar:innen bilden wird, sondern auch das Verständnis für die Spezifika der Krankenversicherung innerhalb der gesamten aktuariellen Gemeinschaft fördern wird.

IFRS 17 Ergebnisse verstehen und kommunizieren

Am 1. Jänner 2023 tritt nach über 20 Jahren Entwicklungszeit der Internationale Rechnungslegungsstandard für Versicherungsverträge IFRS 17 in Kraft. Der IFRS 17 unterscheidet sich in seiner Grundkonzeption als prinzipienorientierter Standard ganz wesentlich vom bisherigen IFRS 4. Aktuar:innen waren in den letzten Jahren sehr intensiv bei der Implementierung involviert und werden auch künftig eine wesentliche Rolle bei der Bilanzierung nach IFRS 17 spielen.

Werner Matula, Chief Actuary der VIG, spricht im Interview über die Herausforderungen aus Sicht einer Versicherungsgruppe, die über 50 Tochtergesellschaften auf den Weg mit IFRS17 bringen muss. Ulrike Ebner, als Vertreterin der größten Tochtergesellschaft Wiener Städtische Versicherung, spricht über ihre Erfahrungen aus Perspektive einer Sologesellschaft.

 

AVÖ: Welche Herausforderungen brachte die Implementierung bzw. bringt das Inkrafttreten des IFRS17 Standards mit sich?

Werner Matula: Wir sehen uns mit fachlichen und technischen Herausforderungen konfrontiert. Aus Sicht einer Versicherungsgruppe macht der hohe Aggregationslevel die Analyse, Interpretation und Validierung von Ergebnissen – vor allem in der Lebens- und Krankenversicherung – sehr schwer.

Ulrike Ebner: Eine der größten fachlichen Herausforderungen ist, dass nicht alle lokalen Besonderheiten aus einem internationalen Standard klar ableitbar sind. Beispielsweise das Bewertungsmodell für die österreichische Krankenversicherung wurde zwischen allen beteiligten Stakeholdern lange diskutiert bis letztendlich ein gemeinsamer einheitlicher Ansatz für Österreich gefunden wurde. Hingegen konnte für das für das österreichische Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft mit Beteiligungsmechanismen gemeinsam mit anderen europäischen Ländern eine Lösung auf europäischer Ebene in Form des Carve-Out für Jahreskohorten gefunden werden.

 

AVÖ: Und mit technischen Herausforderungen sind wohl IT-Themen gemeint?

Werner Matula: Wir verstehen darunter nicht nur verschiedene Softwarekomponenten, sondern vor allem auch die entsprechenden Prozesse, Schnittstellen, Datenmodelle usw. Als Aktuar:innen sind wir in erster Linie für die Cashflow-Modelle verantwortlich, haben aber für das versicherungstechnische Nebenbuch maßgeblich an der Definition und Konfiguration mitgewirkt.

Ulrike Ebner: Die Berichtsanforderungen der Gruppe erfordern einen hohen Detailgrad an Daten, der Trend zu mehr zentralisierten Lösungen erfordert die Umsetzung umfangreicher Datenhaltungssysteme und führt aufgrund der hohen Menge und Granularität der Daten mitunter zu trägeren und unflexibleren Abläufen bei der Berichtserstellung als dies bisher der Fall war.

 

AVÖ: Wird bei diesen umfangreichen Daten die Unternehmenssteuerung nicht wesentlich komplexer?

Werner Matula: IFRS 17 ist der maßgebliche Standard für den Gruppenabschluss und somit natürlich in der Unternehmenssteuerung zu berücksichtigen. Die wesentlichsten Treiber der Gewinn- und Verlustrechnung müssen durch passende KPIs leicht erfassbar gemacht werden. Es wird altbekannte KPIs geben, wie etwa eine Combined Ratio in der Nichtlebensversicherung. Andererseits bieten sich auch neue KPIs an, insbesondere wird die CSM in der Lebens- und Krankenversicherung eine wichtige Kenngröße sein. Trotz allem bleiben herkömmliche Steuerungsparameter, vor allem aus Solvency II oder lokalen Rechnungslegungsstandards erhalten. Somit wird die Unternehmenssteuerung bestimmt komplexer.

Ulrike Ebner: IFRS 17 als marktwertbasierter Standard unterscheidet sich bereits im Grundansatz ganz wesentlich von UGB. Das macht eine Überleitung einer GuV von UGB auf IFRS17 unmöglich, zumal schon die Grundstruktur der GuV aus IFRS17 sich in einem vollkommen neuen Kleid präsentiert. Sehr wohl sind aber Elemente, die wir aus der Eigenmittelbilanz nach SII kennen, auch im IFRS 17 zu finden und vermitteln ein bisschen ein Gefühl von „Vertrautheit“.

 

AVÖ: Hat sich die Rolle der Aktuar:innen verändert oder erweitert?

Werner Matula: Grundsätzlich sind Aktuar:innen durch Solvency II oder MCEV schon mit dem Konzept Best Estimate Bewertungen und mit Marktwertbilanzierung vertraut. Wir haben immer eine Sicht auf die die gesamte Bilanz und GuV, egal nach welchem Standard. IFRS 17 erfordert nun aber eine noch engere Zusammenarbeit mit Rechnungslegern, um die Konsistenz zwischen „Actual“ und „Expected“ sicherzustellen. Aktuar:innen werden zukünftig eine wesentliche Rolle bei der Erstellung eines IFRS17 Abschlusses spielen.

Ulrike Ebner: Die GuV nach IFRS 17 weist das versicherungstechnische Ergebnis und das Finanzergebnis getrennt aus. Vor allem in der Lebens- und Krankenversicherung kommt vordergründig der VFA zur Anwendung und hier spielt auch das Zusammenspiel mit der Aktivseite eine ganz bedeutende Rolle, dies erfordert somit auch ein Grundverständnis der Aktuar:innen von IFRS9. Aktuar:innen werden zukünftig sehr eng in die Ergebnisanalyse der GuV eingebunden sein, da der größte Teil der GuV Positionen aus den aktuariellen Bewertungsmodellen kommt.

Generalversammlung 2022

Die AVÖ-Generalsversammlung wurde von spannenden Vorträgen zu aktuellen Themen wie klimabedingte Risiken, Sterblichkeiten und demographische Prognosen für Wien, Inflation und Zinsen und COVID19-Simulationen eingeleitet. Anschließend gab es eine Übersicht zu den verschiedenen Tätigkeitsberichten und die Berichte von Kassier Rainer Kaufmann und ÖFdV-Geschäftsführer Dr. Reinhold Kainhofer.

Informationen und Berichte können im Mitgliederbereich eingesehen werden.

IM INTERVIEW: Victoria Zach

Ich bin Aktuar/Aktuarin geworden, weil …

Mathematik machte mir immer schon sehr viel Spaß.
Den Studiengang Versicherung- und Finanzmathematik habe ich durch Zufall entdeckt und fand es von Anfang an spannend.
Erst durch den Vortrag der AVÖ im Rahmen der Vorlesung ‚Anwendungsgebiete der Mathematik‘ bin ich auf die Begriffe ‚AVÖ‘ und ‚Aktuar‘ gestoßen.
Da ich vor allem die versicherungsspezifischen Fächer am interessantesten fand, habe ich mich dann dazu entschlossen, diesen Weg einzuschlagen und es auch noch keine Sekunde bereut.

Mich interessieren fachlich …

Vor allem der Nichtleben-Bereich ist aus meiner Sicht sehr interessant und bietet aufgrund der unterschiedlichen Sparten und Tarifierungsmöglichkeiten viel Platz für Kreativität und Innovation.
Außerdem programmiere ich gerne und versuche Prozesse zu optimieren und komplexe Modelle zu implementieren.

Es ist generell ein sehr abwechslungsreicher Beruf, bei dem man nie auslernt – vor allem in der Beratung bekommt man genug Möglichkeiten, sich weiterzubilden und sich mit neu aufkommenden Themen zu beschäftigen.

Mein größter beruflicher Erfolg …
Mit meinen 25 Jahren habe ich schon an ungewöhnlich vielen Projekten mitgearbeitet.
Neben dem Studium habe ich bereits in der Produktentwicklung bei einer Versicherung 3 Jahre Teilzeit als Mathematiker gearbeitet.
Seit knapp 2 Jahren arbeite ich nun Vollzeit und bin, seit über einem Jahr in der Beratung, in verschiedenen Bereichen der Versicherung tätig.
Diese ‚Erfahrung‘ bereits in meinem Alter zeichnet mich aus und darauf bin ich stolz.

Mein Lebensmotto

Es ist immer zu früh, um aufzugeben. -Norman Vincent Peale

Meiner Meinung nach ist außerdem eine positive Lebenseinstellung sehr wichtig – sowohl privat als auch beruflich!

Was mich sonst neben dem Beruf interessiert.
Ich liebe die Natur und bin gerne in den Bergen unterwegs – sowohl im Sommer als auch im Winter.
Außerdem interessiere ich mich sehr für andere Kulturen und erkunde gerne fremde Länder.

BerufseinsteigerInnen rate ich, …

Jede Gelegenheit zu nutzen, neue Leute kennenzulernen und sich auszutauschen.
Und ganz wichtig: WEITERBILDUNG. Hier ist es wichtig, sich auch außerhalb der Mathematik Kenntnisse anzueignen (Beispiel Data Science, Rhetorik,..) um Probleme bestmöglich lösen zu können.

 

Zur Person

Ich komme aus Oberösterreich aus einer Bäckersfamilie und habe eine Zwillingsschwester und eine kleine Schwester.

Das Studium an der TU Wien hat mich dann nach Wien gezogen und seitdem lebe ich hier. Während dem Studium habe ich bereits Teilzeit bei einer Versicherung gearbeitet und dort viel im Bereich Produktentwicklung gelernt.
Nach dem Studium bin ich dann in die Beratung gewechselt, um mich vielen abwechslungsreichen Herausforderungen zu stellen und um mich auch in anderen Bereichen weiterzubilden.
Generell würde ich mich als fröhlich und offen bezeichnen und ich bin (möglicherweise auch durch diverse Sportarten geprägt) ein sehr ehrgeiziger Mensch.

AFRAC 27 – AVÖ Hinweis

Im Rahmen der Überarbeitung der Stellungnahme wurde eine Klarstellung und Konkretisierung der Anwendung der sogenannten Hinterbliebenenmethode (Bewertung von Verpflichtungen gegenüber indirekt Berechtigten) vorgenommen. Zusätzlich wurde bei Anwendung der mit Version Dezember 2020 eingeführten alternativen Bewertungsmöglichkeit für ausgelagerte Verpflichtungen, der Wert der Gesamtpensionsverpflichtung nun klar bzw. erstmalig definiert, damit sind auch die (unveränderten) Vorgaben zu den Angaben im Anhang wieder eindeutig interpretierbar. Ein redaktioneller Fehler in den Erläuterungen soll noch korrigiert werden: das zweite „Zu Rz (7):“ auf Seite 29 sollte korrekt „Zu Rz (12):“ lauten.

Neuer Arbeitskreis zum Thema ESG ins Leben gerufen

Im Arbeitskreis ESG wird sich eine Gruppe motivierter Mitglieder unter der Leitung von Victoria Zach mit dem Thema Environmental, Social and Governance befassen.

Ziel ist es, dieses sich aktuell ständig weiterentwickelnde Thema und viele rund um dieses Thema auftauchende wichtigen Fragen für Aktuare zu diskutieren, aus Sicht der Aktuar:innen aufzubereiten und den Aktuar:innen Hilfestellung bei den kommenden Aufgaben in diesem Bereich bereitzustellen.

Wir freuen uns, wenn du mit deinem Know-how in dieser nicht nur hochaktuellen sondern auch komplexen Thematik die Arbeitsgruppe unterstützen möchtest.

 

Bei Interesse melden bei Victoria Zach (Victoria.Zach@milliman.com)

 

Sportliches „Afterwork“

Nun ist es so weit: Die Laufsaison hat in vollen Zügen begonnen. Egal ob in Schönbrunn, in der Praterallee oder am Ring, überall sieht man sportbegeisterte Läufer:innen, die sowohl psychisch als auch physisch in Bewegung bleiben möchten. Insbesondere die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass eine gesunde Work Life Balance und ein persönlicher Austausch wichtiger sind, denn je. Allerdings waren die letzten Jahre in Bezug auf das Netzwerken sehr herausfordernd, denn die virtuellen Meetings haben das Kennenlernen unter Kolleg:innen maßgeblich erschwert. Wir möchten dies nun zum Anlass nehmen und alle Aktuar:innen sehr herzlich zu einem regelmäßigen sportlichen „Afterwork“ in Form eines Lauftreffens mit freiem Ausklang einladen. Das Treffen findet seit Juni 2022 alle zwei Wochen jeweils Donnerstagabend um 19 Uhr statt. Sowohl die Location als auch die Strecke werden nach Möglichkeit auf die Wünsche der Teilnehmer:innen angepasst und je nach Nachfrage abgestimmt.

Wir freuen uns auf euer zahlreiches Kommen und wünschen allen Aktuar:innen viel Spaß beim Trainieren!

Neu: Ab jetzt wird unser Afterwork über einen eigenen Email-Verteiler angekündigt, um dabei zu sein bitte eine kurze Email an: perera@avoe.at

Die kommenden Lauftreffen:

01.09.2022 um 19:00 im Prater

15.09.2022 um 19:00 im Prater

29.09.2022 um 19:00 in Schönbrunn (Haupteingang)

13.10.2022 um 19:00 in Schönbrunn (Haupteingang)

PS: Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine kurze Rückmeldung per Email, ob Interesse besteht und um eine kurze unverbindliche Voranmeldung bezüglich der Teilnahme beim sportlichen „Afterwork“.

Vergangene Lauftreffen:

Das erste gemeinsame Workout

   

Data Science Challenge 2022

Data Science Challenge 2022

Mitglieder und angehende Aktuar:innen der AVÖ haben die Möglichkeit, an der diesjährigen Data Science Challenge 2022 des DAV-Ausschusses ADS teilzunehmen. Bereits in den letzten beiden Jahren wurde dieser Wettbewerb erfolgreich durchgeführt und wird deshalb im Jahr 2022 zum dritten Mal aufgelegt. Er soll Aktuar:innen motivieren, sich stärker mit datenwissenschaftlichen Fragen und Methoden des maschinellen Lernens auseinanderzusetzen.

Thematik der diesjährigen Data Science Challenge 2022 wird die aktuelle, anspruchsvolle sowie zunehmend wichtigere Rolle des „Automatisierten Maschinellen Lernens (AutoML)“ sein. Die Teilnehmer:innen werden dazu aufgerufen, ein typisches Problem zu identifizieren, denen DAV-Mitglieder und die Versicherungsbranche im Allgemeinen gegenüberstehen und eine passende Lösung zu erarbeiten.

Nähere Informationen zu den Wettbewerbsregeln sowie Hilfestellungen zur Data Science Challenge erhalten Sie auf der DAV-Webseite unter “Unsere Themen” / “Actuarial Data Science”/“Data Science Challenge“ https://aktuar.de/unsere-themen/big-data/data-science-challenge/Seiten/default.aspx

Die Preisträger:innen werden rechtzeitig vor der DAV-Herbsttagung 2022 benachrichtigt und erhalten die Möglichkeit, ihre Ergebnisse während der Tagung vorzustellen. Die Teilnehmer:innen können die folgenden Preise gewinnen:

  • Einzelwettbewerb: Teilnahme an einer DAA-Veranstaltung von max. 99
  • Gruppenwettbewerb: jeweils Teilnahme an einer DAA-Websession

Weitere Informationen:

ADS-Challenge2022 Tipps & Links

Data_Science_Challenge_2022 Regeln

Gutes tun als Aktuar:in – und Entwicklungshelfer:in

Man stellt sich Entwicklungshelfer häufig als Schulen bauende Handwerker oder neue Anbaumethoden demonstrierende Landwirte vor, aber auch Aktuare können mit ihren Fähigkeiten Entwicklungshilfe leisten. Denn in vielen Ländern können Menschen durch besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen, wie z.B. Microinsurance, unterstützt werden – und da können Aktuare helfen. Das ist die Idee von Actuaires du Monde!

GEGRÜNDET IN 2020, VORHER ALS IAA SEKTION TÄTIG

Im November 2020 wurde Actuaires du Monde als gemeinnütziger Verein in Frankreich gegründet, zuvor war es eine Sektion der Internationalen Aktuarvereinigung und unter Actuaries without borders aktiv. Ziel von Actuaires du Monde ist es, Entwicklungs-Projekte und -Organisationen in Schwellen- und Entwicklungsländern zu unterstützen, die aktuarielle Unterstützung benötigen, sich diese aber nicht leisten können.

BEISPIEL MICROINSURANCE IN TOGO

Ein Beispiel für ein solches Projekt ist die Machbarkeitsstudie für eine Gesundheits-Microinsurance in Togo: In der Region Est Mono, 170 km von der Hauptstadt Lomé entfernt, betreibt die Stiftung des Malteserordens Frankreichs seit 1980 ein Krankenhaus mit einem Einzugsgebiet von etwa 150.000 Menschen. Allerdings verfügen viele Menschen nicht über die finanziellen Mittel für eine Behandlung im Krankenhaus und nutzen daher eher die traditionelle Medizin oder werden gar nicht behandelt. In einem ersten Schritt wurde mit Hilfe eines Freiwilligen von Actuaires du Monde das Interesse der Bevölkerung an Microinsurance Lösungen untersucht – z.B. welche Mittel sind verfügbar, wie wird die medizinische Versorgung bisher genutzt, wie ist die Bereitschaft, sich zu versichern. Mit diesen Erkenntnissen konnten dann Versicherungspakete entwickelt werden, die den Bedürfnissen und den finanziellen Möglichkeiten der lokalen Bevölkerung entsprechen. Der nächste Schritt besteht nun darin, einen lokalen Versicherungspartner für dieses Produkt zu finden, um die Ideen umzusetzen und zu implementieren. Bei Erfolg dieses Pilotprojektes ist eine Ausweitung auf weitere Krankenhäuser der Stiftung in Afrika denkbar.

BEISPIEL KONGRESS IN SKOPJE

Ende März 2022 hat Actuaires du Monde in Zusammenarbeit mit der nordmazedonischen Aktuarvereinigung seinen ersten Kongress in Skopje abgehalten. Der Kongress wurde finanziert von der nordmazedonischen Versicherungsaufsicht, der Lebenssektion der IAA und dem Medienpartner XPrimm. Fast 150 Personen aus 31 Ländern nahmen an dieser Hybrid-Veranstaltung teil. Der erste Tag war den Herausforderungen des lokalen Marktes angesichts der Liberalisierung des Kfz-Haftpflichttarifs und der Einführung eines risikobasierten Solvabilitätsregimes gewidmet. Der zweite Tag standen die Herausforderungen für Versicherungsmathematiker in Entwicklungs- und Schwellenländern im Mittelpunkt – vor allem die Frage, wie die finanzielle Teilhabe benachteiligter Bevölkerungsgruppen erhöht werden kann. Die Vortragenden konnten über ihre Erfahrungen aus erster Hand berichten und sich mit den Teilnehmern des Kongresses austauschen, u.a. über Kranken-Microinsurance in Ghana, und parametrische Versicherung in Westafrika und Indien (siehe Folien).

BEISPIEL MENTORING

Aber Actuaries du Monde unterstützt  auch die Ausbildung von Aktuaren in Entwicklungs- und Schwellenländern, zum Beispiel über Mentoring- oder Ausbildungsprogramme. So gibt es zurzeit über 30 junge Aktuare, die von Mitgliedern von Actuaires du Monde betreut werden. Doch leider gibt es immer noch viele Aktuare, die aufgrund fehlender Freiwilliger keinen Mentor erhalten können – hier ist Euer Engagement gefragt!

EUER ENGAGEMENT!

Wie kann man sich als AVÖ Mitglied engagieren? Actuaires du Monde lebt vom freiwilligen ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder – und neben Mentoren für Aktuare aus Entwicklungsländern werden zurzeit auch Projektmanager für neue Hilfsprojekte gesucht. Also Mitglied werden und mithelfen! Und Actuaires du Monde freut sich natürlich auch über finanzielle Unterstützung. Mehr Informationen unter https://www.actuairesdumonde.org/en/ oder unter contact@actuairesdumonde.org

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Bild 1: Projektarbeit in Togo

Bild 2: Folie Ernteversicherung (vom Actuaires du Monde Kongress in Skopje, im März 2022)

Bild 3: Folie Krankenversicherung (vom Actuaires du Monde Kongress in Skopje, im März 2022)

 

Das Jungaktuarstreffen fand wieder statt!

Nach dieser gefühlt endlos langen Corona-Pause wird es nun wieder Zeit, dass auch wir uns als AVÖ wieder öfters treffen. Obwohl die Vielzahl an Lockdowns und die Home-Office Verpflichtung eine enorme Akzeptanz bezüglich Video-Meetings geschaffen haben, dürfen persönliche Treffen, soweit es die gesundheitliche Situation erlaubt, nicht dauerhaft fehlen.

Daher freut es mich euch mitzuteilen, dass auch das beliebte „Jungaktuarstreffen“ für junge und erfahrene Aktuar:innen wieder stattgefunden hat.

Die Rolle der Aktuar:innen im Kontext von Nachhaltigkeit und Klimawandel

Die steigenden Anforderungen an die Einführung und Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien stellen die Versicherungsunternehmen vor neue große Herausforderungen. Damit werden sich auch die Aufgaben und die Arbeit der Aktuar:innen ändern, die aufgrund ihres spezifischen Fachwissens in unterschiedlichsten Bereichen eines Unternehmens anzutreffen sind.

Pariser Klimaabkommen

Durch das Ziel Europas bis 2050 als erster Kontinent klimaneutral zu werden, hat die EU-Kommission im Rahmen des European Green Deal eine „Strategie für nachhaltiges Finanzwesen“ angekündigt und dadurch auch die Versicherungsbranche erfasst. Finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, sollen demnach bewertet und gesteuert werden. Die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit in der Finanztätigkeit ist ebenfalls ein Ziel der EU, welches sich mit einem sehr umfangreichen legislativen Maßnahmenpaket bereits in Umsetzung befindet. Versicherungsunternehmen stellen per se keine energieintensive Branche mit einem großen ökologischen Fußabdruck und hohen CO2-Emissionen dar, sodass sie nur einen geringen Beitrag zur Klimakrise beisteuern. Allerdings sind Versicherungsunternehmen aufgrund ihres Geschäftsmodells zum einen direkt vom Klimawandel betroffen, da es etwa vermehrt zu Extremereignissen wie starken Regenfällen und Hagel kommen wird, was einen Anstieg der zukünftigen Versicherungsleistungen impliziert. Und zum anderen kann auch die Versicherungswirtschaft bedeutend dazu beitragen, das Paris Klimaabkommen erreichen zu können. Denn Versicherungsunternehmen können sowohl bei der Gestaltung ihrer Versicherungsprodukte per se als auch bei ihren Investments am Kapitalmarkt den Nachhaltigkeitsaspekt deutlich mehr als bisher mitberücksichtigen.

Bedeutung des Klimawandels für Aktuar:innen

Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) als das Gremium der Vereinten Nationen zur Bewertung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel hat mit dem „IPCC Climate Change Report 2021“[1] einen umfassenden Bericht über den aktuellen Zustand des Klimas, einschließlich seiner Veränderung und der Rolle des menschlichen Einflusses und den Wissensstand über mögliche zukünftige Klimaszenarien veröffentlicht. Die darin enthaltenen Erkenntnisse lassen sich im Wesentlichen in den nachfolgenden Punkten zusammenfassen:

  • Seit Jahrzehnten wissen wir, dass sich die Welt erwärmt. Die jüngsten Veränderungen des Klimas sind weit verbreitet, schnell und intensivieren sich. Sie sind so stark wie seit Tausenden von Jahren nicht mehr.
  • Es ist unbestreitbar, dass der Klimawandel durch menschliche Aktivitäten verursacht wird. Der menschliche Einfluss führt dazu, dass extreme Klimaereignisse wie Hitzewellen, starke Regenfälle und Dürreperioden häufiger und heftiger sind.
  • Der Klimawandel wirkt sich bereits jetzt auf alle Regionen der Erde aus, und zwar auf vielfältige Weise. Seine Auswirkungen werden sich mit der weiteren Erwärmung noch verstärken.
  • Einige Veränderungen im Klimasystem lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Einige dieser Veränderungen könnten jedoch verlangsamt und andere gestoppt werden, indem die künftige Erwärmung begrenzt wird.
  • Ohne eine sofortige, rasche und weitreichende Reduzierung der Treibhausgasemissionen wird es nicht möglich sein, die globale Erwärmung auf 1,5°C oder sogar 2°C im Vergleich zu 1850-1900 (vorindustrielle Werte) zu begrenzen.
  • Um die globale Erwärmung zu begrenzen, ist eine starke, rasche und anhaltende Verringerung der Emissionen von Kohlendioxid, Methan und anderen Treibhausgasen notwendig. Dies würde nicht nur nicht nur die Folgen des Klimawandels verringern, sondern auch die Luftqualität verbessern.

Die Internationale Aktuarvereinigung (IAA) erstellte in Kooperation mit den Autoren des IPCC Reports im März 2022 eine Zusammenfassung der Erkenntnisse, die sich speziell an Aktuar:innen richtet[2]. Darin leitet die IAA als Aufgabe von Aktuar:innen die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken in zukünftige Strategien in den Bereichen Produktgestaltung, Pricing, Underwriting und der Rückversicherung ab. Neben den klassischen Betätigungsfeldern sind Aktuar:innen aufgrund ihres spezifischen Fachwissens auch häufig im Risikomanagement anzutreffen. Im Zuge dessen sieht die IAA als weitere Anforderung an Aktuar:innen, die Bewertung von physischen und transitorischen Klimarisiken und die Einbettung dieser Risiken in den Risikomanagementprozess.

Neue regulatorische Anforderungen an das Risikomanagement und die versicherungsmathematische Funktion

Bereits im April 2021 hat die EIOPA eine Stellungnahme zur Überwachung der Verwendung von Klimawandel-Risikoszenarien im ORSA veröffentlicht. Demnach sollen Versicherungsunternehmen Nachhaltigkeitsrisiken in den Risikomanagementprozess integrieren. Zusätzlich hat EIOPA ein Methodenpapier[3] für Stress-Tests für die Komponente Klimawandel im Januar 2022 publiziert. Das Dokument behandelt Ansätze für Stress-Tests für mikro- und makroprudenzielle Zwecke. Es umfasst Prinzipien zur Festlegung von Klimaszenarien, Modellierungsansätze sowohl für physische Risiken als auch Transitionsrisiken und schlägt Bewertungskennzahlen für die Berichterstattung vor. Auch wenn es an manchen Stellen an Detailtiefe vermissen lässt und damit keine vollständige Lösung erreicht werden kann, stellt es doch eine solide Basis für eine Referenz-Architektur dar. Die konkrete Umsetzung bleibt allerdings für Aktuar:innen herausfordernd.

Überdies erfordert eine weitere Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2015/ 35, die im August 2022 in Kraft tritt, neben der Integration der Nachhaltigkeitsrisiken im Risikomanagement, die Berücksichtigung im Rahmen der Rückstellungsbewertung, der Vergütungspolitik und des Investmentmanagement.

Abbildung 1: Aufgaben der versicherungsmathematischen Funktion im Hinblick auf Nachhaltigkeitsrisiken

Aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Aufgaben obliegt es der versicherungsmathematischen Funktion (VMF) sich mit der aktuariellen Relevanz von Nachhaltigkeitsrisiken im Rahmen der Stellungnahme zur Zeichnungs- und Annahmepolitik, Rückversicherung und der Rückstellungsbewertung des Unternehmens auseinanderzusetzen. An dieser Stelle sind vor allem die Vollständigkeit und Qualität der zugrundeliegenden Daten zu nennen, welche auch Informationen zu prospektiven Nachhaltigkeitsrisiken umfassen müssen. Die klimawandelbedingte Zunahme an Intensität und Frequenz von Wetterereignissen wie Sturm, Hagel oder Starkregen und ein damit korrespondierendes höheres Schadenspotenzial muss die VMF etwa bei der Bewertung der Prämienrückstellung und des Prämienrisikos – sofern zuständig – berücksichtigen. Zusätzlich zu dem Weiterbildungsbedarf hinsichtlich Nachhaltigkeitsrisiken muss die VMF Untersuchungen anstellen inwieweit Statistiken von Schadenhöhen und -häufigkeiten durch Schwankungen verursacht werden oder ob hier ein Trend für die Zukunft abzuleiten ist.

Abbildung 2: Referenzpunkte für Aktuar:innen im Zusammenspiel mit Klimarisiken

Analyse aktuarieller Modelle

Grundsätzlich sollten Aktuar:innen überprüfen, ob und in welchem Ausmaß die einzelnen Modelle von Nachhaltigkeitsrisiken betroffen sind. Je nach Sparte und Modellierungshorizont kann der Einfluss unterschiedlich sein. Bei langlaufenden bzw. langabwickelnden Geschäft, wie in der Lebensversicherung oder Haftpflichtversicherung, steht die Best Estimate-Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen im Vordergrund, während bei tendenziell kurzabwickelndem Geschäft der Fokus insbesondere auf die Risikobewertung gelegt werden sollte. Während ersteres im Verantwortungsbereich der VMF liegt, deutet zweiteres darauf hin, dass sich durch die Veränderung der Wettermuster die Exponierung der Risiken im Bestand ändern können und Akuar:innen sich verstärkt mit den Modell- und Änderungsrisiken auseinandersetzen müssen. Da Exposure-Modelle oft von externen Anbietern zur Verfügung gestellt werden, muss hinterfragt werden, inwiefern Trends aus dem Klimawandel bereits berücksichtigt wurden. Auch bei der Bestimmung des Gesamtsolvabilitätsbedarf sollte die Kalibrierung des Katastrophenmodells kritisch betrachtet und etwa, falls relevant, die aktuell nicht erfassten Risiken Waldbrand und Dürre als eigenständige Gefahren einbezogen werden.

Ausblick

Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf das Geschäftsmodell Versicherung sind umfassend und komplex. In vielen der betroffenen Bereiche einer Versicherung (z.B. Underwriting, Produktgestaltung, Pricing, Rückversicherung, Risikomanagement, Investments) spielen Aktuar:innen eine zentrale Rolle und daher können diese durch ihre hohe fachliche Expertise zu einer fundierten Bewertung zukünftiger Klimarisiken und der Herleitung einer Strategie zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken in hohem Ausmaß beitragen. Daher sehen wir das Thema Klimawandel als Chance für uns Aktuar:innen, um einerseits unser aktuelles Tätigkeitsfeld um den Aspekt des Klimawandels anzureichern und andererseits um aktiv mitwirken zu können, das Pariser Klimaziel erreichen zu können. Der Schlüssel zum Erfolgt wird hierbei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit u.a. mit Underwriting, Rückversicherung, Risikomanagement und externen Spezialisten sein.

 

 

 

[1] https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/

[2]https://www.actuaries.org/IAA/Documents/Publications/Papers/Climate_Science_ Summary_Actuaries.pdf

[3] https://www.eiopa.europa.eu/media/news/eiopa-publishes-third-paper-methodological-principles-of-insurance-stress-testing-climate